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Erinnerungen, Wurst und markige
Worte Von Bernd Kassner Zum 25. Mal trafen sich Oberschlesier aus Hindenburg in der Grugahalle. Zu Erinnerungen, Semmelwurst und markigen- Worten. Wenn es nur Flaczki und Kabarnos Oppelner Brüh-und Hindenburger Graupenwurst wären, wenn es nur um schlesisches Griebenschmalz und polnische Schinkenwurst- ginge und- um die Nachbarn von damals, das wäre so einrichtig schönes, gemütliches Heimatfest. Man würde die schmucke Tracht anlegen, den Bergmannstschako aufsetzen, Fahnen zeigen, seinen Dialekt herausputzen und jeden dritten Satz beginnen mit "weißt du noch, damals in Makoschau". Und es ist ja, auch so, dass viele Besucher gar nichts anderes wollen. Wären danicht markige Funktionärsreden, die politisch Vorgestriges und seltsamen Herkunftsdünkel mit polnischer Wirtschaft vermengen und sich resümierend empören, als "Ewig-Gestriger" bezeichnet zu. werden. Die Vertreibung mit Kosovo-Krieg in einem Zug nennen und sinnieren, auf dem Balkan sei es ja noch nach 100 Jahren zum Krieg-gekommen. Solches hat Rudolf Krell (65) wahrlich nicht im Sinn. Der frühere Sportler von Gornik Zabrze ist mit seinem Club-Emblem nach Essen gekommen; um Bekannte zu treffen, "aber die meisten kennt man ja gar nicht wieder". Am kath. Festgottesdienst hat er, teilgenommen, "obwohl ich ein evangelischer Oberschlesier bin", bei der Totenehrung der Terror-Opfer in den USA gedacht. Nun sucht er Leute, die seine Erinnerungen teilen an Kunzendorf und Poremba, an Klausberg, Zaborze und Paulsdorf, an seine Heimat, an die Jugendzeit. "Es werden", seufzt er, "immer weniger". Wurstverkäufer Gerhard Ligensa (52) kann
diesen Seufzer nicht teilen. "Besser als vor zwei Jahren
läuft es"; strahlt er. Seit -1874 machen die Ligensas
oberschlesische Wurst das "Familienrezept haben die Eltern
mitgebracht".
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